Ich stehe in meiner 42 Quadratmeter großen Altbauwohnung und starre auf den einzigen freien Platz an der Wand. Drei Meter und vier Zentimeter, genau gemessen zwischen Türrahmen und Heizkörper. In diesen Raum muss eine komplette Einbauküche. Aber ich will auch nicht auf Gäste verzichten. Die Lösung, die mir nach Wochen der Recherche einfiel, war radikal: Ich habe die Küchenzeile auf zwei Meter gekürzt und den freien Platz mit einer cleveren Sitz- und Schlafkombination gefüllt. So entsteht aus einer funktionalen Küche plötzlich ein Raum, der abends zum Wohnzimmer wird und nachts zum Gästezimmer. Der Trick liegt im Detail: ein schmaler Hochschrank für Töpfe, ein Unterschrank mit Auszug für Pfannen – und direkt daneben ein Möbelstück, das tagsüber als Bank dient und nachts zum Bett wird. Kein Quadratzentimeter bleibt ungenutzt.
Die größte Hürde war das Bettzeug. In einer Miniwohnung gibt es keinen Abstellraum, keinen Kellerabteil, keinen Platz für zwei Gästedecken und vier Kissen. Jeder Besucher brachte sein eigenes Schlafpaket mit – bis ich auf die Idee kam, alles in der Küche zu verstauen. Unter der Spüle lagern jetzt gefaltete Laken, im Hochschrank über der Kaffeemaschine stapeln sich Kissenbezüge. Aber die Matratze? Die passt nirgendwo hin. Also musste der Sitzbereich selbst die Lösung bieten. Ich entschied mich für einen stabilen Rahmen mit einem integrierten Bettkasten. Ein solches Bett mit Stauraum ist die Rettung für jeden, der auf wenigen Quadratmetern lebt. Die Frottee-Bezüge für das Gästebett wandern in eine Vakuumtasche und verschwinden flach unter der Sitzfläche. Seitdem frage ich meine Freunde nicht mehr: „Bringst du dein eigenes Kopfkissen mit?" Sondern: „Rotwein oder Weißwein?"
Der eigentliche Clou ist das Möbelstück selbst, eine Art Hybrid zwischen Couch und Bett. Ich habe mich für eine Variante mit einem sogenannten Click-Clack-Mechanismus entschieden. Das bedeutet: Mit einem leichten Ruck an der Rückenlehne klappt die Sitzfläche nach vorne und die Rückenlehne sinkt nach hinten in die Waagerechte. In zehn Sekunden steht da ein flaches Bett, keine wacklige Konstruktion, kein Herausziehen von sperrigen Teilen. Die Sitzfläche besteht aus einer hochwertigen Schaumstoffplatte, die auf einem massiven Lattenrost liegt. Dieser Lattenrost ist entscheidend, denn er verhindert, dass der Schaum durchhängt. Viele günstige Modelle nutzen nur eine Pressspanplatte – nach drei Nächten spürt man jede Feder. Mein Modell hat einen verstellbaren Lattenrost aus Birke, der sich dem Körpergewicht anpasst. Die Liegefläche ist zwar nur 140 mal 190 Zentimeter, aber für eine Person oder ein Paar, das sich mag, völlig ausreichend.
Die Optik durfte dabei nicht zu wohnzimmerhaft sein. Ich wollte keinen klobigen Schlafsack unter einem Vorhang verstecken. Stattdessen wählte ich ein Gestell mit einem weichen, samtigen Bezug. Dieses Velvet-Upholstery in einem tiefen Blaugrau harmoniert perfekt mit den weißen Küchenfronten. Der Stoff fühlt sich an wie kuschelige Pyjamahose und ist gleichzeitig robust genug, um tägliche Kaffeeflecken zu überleben. Ein eingebauter Staubsaugerroboter fährt problemlos darunter durch, weil die Beine des Möbels zwölf Zentimeter hoch sind. Die Armlehnen sind schmal gehalten, etwa elf Zentimeter Breite, damit man nicht anstößt, wenn man vom Herd zur Spüle geht. Jeder Zentimeter in dieser Küche ist getaktet, wie bei einem Schachspiel.
Beim Schlafkomfort durfte ich keine Abstriche machen. Kein Gast soll auf einer durchgelegenen Polsterung liegen, die nach Kartoffelchips riecht. Deshalb liegt auf dem Lattenrost eine separate Auflage, eine ziemlich dicke Schaumstoffmatratze mit 16 Zentimetern Höhe. Diese Matratze ist nicht fest integriert, sondern separat, man kann sie bei einem Besuch einfach auflegen. Tagsüber lehnt sie hinter einem Sichtschutz im Flur, unsichtbar für jeden. Der Schaumstoff ist relativ fest, mit einem Raumgewicht von 35, was für eine gute Stützung sorgt, ohne dass man einsinkt. Für Allergiker gibt es einen speziellen Bezug aus Baumwolle, der sich bei sechzig Grad waschen lässt.